Ein Ergänzungsfach in Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Wie lassen sich moderne Low-Code-Plattformen sinnvoll lehren – praxisnah, strukturiert und mit echtem Mehrwert für Studierende? Auch im Wintersemester 2025/26 haben wir uns dieser Frage erneut gemeinsam mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gewidmet.
Im Rahmen eines Ergänzungsfachs haben wir als synalis eine Lehrveranstaltung konzipiert, vorbereitet und durchgeführt. Ziel war es, Studierenden einen realistischen Einblick in die Entwicklung von Microsoft Power Apps zu geben – von der fachlichen Konzeption bis hin zur fertigen Model-Driven App, ergänzt um den sinnvollen Einsatz von KI.
Rahmen & Organisation des Ergänzungsfachs
Das Ergänzungsfach „Design einer Microsoft Power App mithilfe von Low-Code & KI“ fand wöchentlich in Präsenz an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg statt und wurde von engagierten Studierenden besucht. Die inhaltliche Konzeption sowie die Durchführung der Lehrveranstaltungen erfolgten durch Julian Rapoport und mich.
Einstieg in die Praxis: Model-Driven Power Apps
Nach einer theoretischen Einführung erfolgte der Einstieg in die strukturierte Entwicklung einer Model-Driven Power App auf Basis von Microsoft Dataverse. Die Studierenden arbeiteten dabei entlang eines realitätsnahen Projektvorgehen.
Behandelt wurden unter anderem:
- Teilnahme Schulungsmaßnahme Microsoft Power Platform
- Konzeptionsleistung für eine IT-Anwendung
- Erstellung des Relationalen Datenmodells (Tabellen, Spalten, Beziehungen)
- Customizing einer Microsoft Model-Driven Power App
- Regelmäßige Präsentationen der Arbeitsergebnisse im Rahmen der Projektarbeit in einem agilen Team
- Best Practices zur Power Plattform Governance
Die Themen wurden auf mehrere Termine verteilt und durch kleine Praxisaufgaben ergänzt, um das Gelernte direkt zu festigen.
Die Case Study: Fuhrparkmanagement
Herzstück des Ergänzungsfachs war eine durchgängige Case Study zum Thema Fuhrparkmanagement. Die Studierenden erhielten ein Anforderungsdokument, das sie Schritt für Schritt umsetzen sollten von der Idee bis zur fertigen App.
Der Ablauf:
- Analyse und Erstellung einer Prozesslandkarte
- Konzeption und Entwicklung eines Entity-Relationship-Modell (ERM)
- Gemeinsame fachliche Abstimmung und iterative Verfeinerung der Anforderungen
- Definition des Feld-Mapping inklusive Datentypen
- Umsetzung und Konfiguration der Model-Driven Power App
- Wöchentliche Reviews und iterative Verbesserungen im Projektverlauf
- Vorstellung und Abnahme der finalen Power App
So entstand über das Semester hinweg eine vollständige, fachlich saubere und technisch fundierte Lösung.

Abbildung 1: Dashboard Fuhrparkmanagement

Abbildung 2: Formular Verleihprotokoll
Low-Code trifft KI: Der Realitätscheck
Ein besonderes Highlight stellte der Vergleich mit KI-gestützten Entwicklungstools dar. Dabei wurden zwei Ansätze gegenübergestellt: eine App, die mit dem Copiloten im Power Apps Plan Designer erstellt wurde sowie eine automatisch generierte Anwendung mit Vibe.PowerApps.
Gemeinsam mit den Studierenden wurden beide Lösungen systematisch analysiert, um Potenziale und Grenzen dieser Technologien herauszuarbeiten. Grundlage bildeten identische fachliche Anforderungen. Das Ergebnis fiel dabei eindeutig aus: Die manuell konzipierten und umgesetzten Anwendungen der Studierenden erwiesen sich als fachlich fundierter, strukturierter und funktional umfangreicher als die mit dem Power Apps Plan Designer generierten Lösungen.

Abbildung 3: Formular Fahrzeuge PowerApps Plan Designer

Abbildung 4: Plan der mit dem Copiloten erstellten App
Die mit Vibe.PowerApps erzeugten Anwendungen wichen hingegen deutlich in Aufbau und Design von den studentischen Lösungen ab. Aufgrund dieser konzeptionellen Unterschiede war ein direkter 1:1-Vergleich nur eingeschränkt möglich.
Als zentrales Learning ließ sich festhalten: Künstliche Intelligenz ist ein leistungsfähiges Unterstützungswerkzeug in der App-Entwicklung, ersetzt jedoch aktuell noch kein fundiertes Fachwissen, methodisches Vorgehen und ein solides Prozessverständnis.

Abbildung 5: Dashboard Vibe.PowerApps

Abbildung 6: Formular Fahrzeugbuchungen Vibe.PowerApps
Abschluss & Präsentationen
Zum Ende des Ergänzungsfachs präsentierten die Studierenden ihre Projektergebnisse in einer strukturierten Abschlusspräsentation. Diese fasste das Semester reflektiert zusammen und machte sowohl den fachlichen als auch den methodischen Lernfortschritt sichtbar.
Die Abschlusspräsentationen umfassten unter anderem:
- Definition der Projektziele
- Fachliche Einordnung des jeweiligen Anwendungsfalls
- Formulierung und Priorisierung der Anforderungen
- Vorstellung der entwickelten Power App inklusive zentraler Funktionen
- Vergleich mit KI-gestützten Entwicklungsansätzen (z. B. Copilot und Vibe.PowerApps)
- Reflexion persönlicher Learnings und der Teamarbeit
- Kritische Bewertung des eigenen Projektvorgehens
Mit den erfolgreichen Abschlusspräsentationen wurde das Ergänzungsfach beendet. Alle Teilnehmenden erfüllten die Modulanforderungen und schlossen die Veranstaltung erfolgreich ab.
Fazit
Das Ergänzungsfach „Design einer Microsoft Power App mithilfe von Low-Code & KI“ verdeutlichte erneut, wie wirkungsvoll die Verzahnung von Hochschullehre und beruflicher Praxis gestaltet werden kann. Durch den konsequenten Praxisbezug, die strukturierte Bearbeitung einer realistischen Case Study sowie den gezielten Einsatz moderner Low-Code- und KI-Technologien entwickelten die Studierenden nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch ein ganzheitliches Verständnis für professionelle Anwendungsentwicklung. Gleichzeitig bot das Modul eine wertvolle Plattform für Wissensaustausch, Reflexion und Weiterentwicklung auf beiden Seiten. Die Zusammenarbeit mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg unterstreicht die Bedeutung praxisnaher Lehrformate für eine zukunftsorientierte Ausbildung.
