Dynamics 365 & Deutsche Cloud – Ein Neujahrsinterview mit Jens Klasen und Hendrik Brauweiler
v.l.n.r Hendrik Brauweiler, Jens Klasen, Fabian Felten

Dynamics 365 & Deutsche Cloud – Ein Neujahrsinterview mit Jens Klasen und Hendrik Brauweiler

Veröffentlicht am 06. Januar 2017 um 14:39 Uhr von synalis

Corporate Vice President Microsoft Cloud & Enterprise, an, mit Dynamics 365 die bisher getrennten CRM- und ERP-Lösungen zu einem gemeinsamen Dienst zusammenzufassen – flexibel, nahtlos in eigene Prozesse integrierbar und durch Business Applications erweiterbar. Doch Microsoft möchte 2017 noch einen Schritt weiter gehen und mit der deutschen Cloud in die Zukunft des Standortes Deuschlands investieren.
Die digitale Transformation wird 2017 einen neuen Weg einschlagen, der sowohl Kunden als auch Partner vor große Herausforderungen stellt. Fabian Felten, Sales Consultant bei synalis, hat gemeinsam mit Jens Klasen, Bereichsleiter Dynamics CRM, und Hendrik Brauweiler, Bereichsleiter ERP, einen kritischen Blick auf die Entwicklung im neuen Jahr geworfen.

Fabian: „Hallo Hendrik, hallo Jens. Das Jahr 2016 ist abgeschlossen. Wie könnt Ihr das vergangene Jahr aus eurer jeweiligen Dynamics Sicht zusammenfassen?“

Hendrik: „Prägend war eindeutig das Release der neuen Version von NAV. Wenn man die Highlights dieser Version betrachtet, merkt man schnell, dass Microsoft sich auch im ERP Bereich der Vision „cloud first, mobile first“ annähert. Ein gutes Beispiel hierfür wären unter anderem der neue Web Client sowie die mobile Apps, die deutlich benutzerfreundlicher gestaltet worden sind.“
Jens: „Im CRM Bereich fand 2016 hingegen ein elementarer Umdenkprozess statt. Zwar wurde ebenfalls eine neue Version veröffentlich, jedoch ist hier primär die Bereitstellungsform über die
Cloud in den Fokus gerückt. Das hat sowohl uns als auch unsere Kunden vor Herausforderungen gestellt.“

Fabian: „Inwiefern?“
Jens: „Unsere Kernherausforderung bestand darin, zunächst die neuen Technologien sowie Erweiterungen zu verstehen. Durch die Nutzung der Cloud entsteht für unsere Consultants vermehrter Aufwand im Bereich der Konfiguration der Lösungen. Der Gesamtprojektaufwand konnte jedoch reduziert werden, da unsere Entwickler weniger programmieren mussten. Mit anderen Worten bedeutet das, dass ein Großteil der benötigten Lösungsbausteine bereits im Standard CRM enthalten sind und diese nur noch auf die Kundenanforderungen angepasst werden müssen.“

Fabian: „Ist eine ähnliche Entwicklung in Bezug auf den Projektablauf auch im NAV Umfeld abzusehen?“
Hendrik: „NAV als reine Cloud Lösung gab es 2016 noch nicht. Natürlich war eine Bereitstellung über Azure möglich, das lässt sich aber erschwert mit dem bisherigen CRM Online Weg vergleichen. Da ab sofort jedoch das Produkt Dynamics 365 zur Verfügung steht, in dem sowohl CRM als auch NAV als Cloud Technologien einsetzbar sind, ist es auch hier vorstellbar, dass sich das Projektgeschäft für NAV Kunden verändert. Natürlich unter der Einschränkung, dass es wie im CRM Bereich auch weiterhin OnPremise Kunden geben wird.“

Fabian: „Das prägende Thema für Euch wird also Dynamics 365 sein?“
Hendrik: „Genau. Bei Dynamics 365 handelt es sich um ein vollkommen neues Produkt. Ein Bestandteil von Dynamics 365 ist das erste vollumfängliche Microsoft Dynamics NAV aus der Cloud. An den bestehenden NAV Funktionalitäten ändert sich nichts. Durch den Schritt in die Cloud besteht jedoch die Möglichkeit von den anderen Microsoft Cloud Produkten zu profitieren und diese anzubinden. Wir stehen also vor einem Paradigmenwechsel in der ERP Welt.“
Jens: „Auch im CRM bleiben die Kernfunktionen des Systems gleich. Es ist fortan jedoch möglich, von den Vorzügen einer Cloud Lösung als auch einer großen Masse an Erweiterungen zu profitieren. Dem Benutzer stehen diverse Apps zur Verfügung, die er für bestimmte Funktionsbereiche oder Problemfälle nutzen kann. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass er diese auch nutzen möchte.“ Neben den Apps steht dem Kunden auch ein Baukasten zur Verfügung, über den man sich kundenindividuelle Apps gestalten kann und diese dann den Mitarbeitern im Unternehmen freigibt.

Fabian: „Bedeutet das also automatisch, dass sich Kunden nicht mehr für Dynamics NAV oder Dynamics CRM entscheiden können, sondern beide Lösungen nutzen müssen?“
Jens: „Nein. Es besteht natürlich weiterhin die Möglichkeit OnPremise Technologien zu nutzen. Auch im Dynamics 365 Umfeld aus der Cloud handelt es sich weiterhin noch um zwei eigenständige Lösungen. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass Dynamics 365 Kunden die Möglichkeit haben beide Technologien über ein gemeinsames und konsolidiertes Interface zu nutzen, da diese lizenziert wurden. Durch Standardisierung, Integration und technologische Annäherung können somit Implementierungsaufwendungen deutlich reduziert werden.
Hendrik: „Zusätzlich machen sich noch weitere Annäherungen zwischen den Systemen bemerkbar. Wording und Interface gleichen sich mehr und mehr an. Microsoft stellt zudem standardisierte Schnittstellen zur Verfügung, durch die eine Integration der Systeme deutlich vereinfacht wird. Zukünftig muss somit auch hier weniger aufwändig programmiert, sondern mehr konfiguriert werden.“
Jens: „Und das nicht nur in Bezug auf Microsoft Systeme untereinander. Durch die Bordmittel, die uns Microsoft an die Hand gibt, wird es deutlich einfacher Daten zu konsolidieren und weitere Drittsysteme anzubinden, egal von welchem Hersteller. Barrieren werden abgebaut, Systeme verfügbar und verknüpfbar gemacht. Die Verschmelzung diverser Lösungen ist zukünftig vorstellbar.“

Fabian: „Wenn 2017 das Jahr von Dynamics 365 wird, müsste es auch das Jahr der Cloud werden. Sind deutsche Unternehmen Eurer Einschätzung nach bereit hierzu oder handelt es sich hierbei um Zukunftsmusik?“
Hendrik: „Im ERP Umfeld wurde sich bis dato wenig mit der Thematik Cloud befasst. Ich empfehle jedoch den Unternehmen, die gerade im Sinne einer Umstellung Ihrer Systemlandschaft oder auf der Suche nach einer modernen ERP Lösung sind, das Szenario Cloud für sich zu prüfen. Im langfristigen Gesamtkontext lässt sich hier feststellen, dass erhebliche Kosten und Nutzenvorteile entstehen.“
Jens: „Bei CRM Kunden ist die Bereitschaft in die Cloud zu gehen definitiv vorhanden. Auch dem geschuldet, dass es CRM Lösungen schon seit einiger Zeit aus der Cloud gibt. Nicht nur die klassischen Anwender, also Marketing, Vertrieb und Service setzen sich hiermit auseinander, sondern auch die IT-Abteilungen unserer Kunden. Deren Bereitschaft steigt vor allem deshalb an, da sie sich durch geringer werdende Support Tätigkeiten anderen Themen zuwenden können, wie der IT-seitigen Weiterentwicklung des Unternehmens.“
Hendrik: „Ein erster Schritt könnte auch der Aufbau einer hybriden Umgebung sein. So lassen sich die Vorteile der Cloud testen, ohne dass direkt die gesamte Umgebung in die Cloud verschoben werden muss.“

Fabian: „Wird hierbei auch die deutsche Cloud eine entscheidende Rolle spielen?“
Jens: „Definitiv. Das Modell, in dem Kundendaten ausschließlich in Deutschland gespeichert werden und die Kontrolle sowie die Entscheidungsgewalt über diese Daten beim Kunden selbst liegen, löst die Vorbehalte auf, mit denen Cloud Lösungen bis dato zu kämpfen hatten.“
Hendrik: „Da die T-Systems als Datentreuhänder fungiert, hat Microsoft grundsätzlich keinen Zugriff auf diese Daten. Die Datenherausgabe an Drittparteien erfolgt nur, wenn der Kunde oder das deutsche Recht es verlangen. Vor „Herausgabeverlangen ausländischer Behörden“ oder richterlichen Anordnungen werden die Kundendaten zusätzlich durch ein Datentreuhändermodell geschützt.
Somit wird hiermit ein Vertrauen geschafft, dass das Arbeiten mit der Cloud verlangt.“
Jens: „Für Microsoft Dynamics 365 bedeutet das zusammengefasst, dass es für jeden Anwendungsfall eine passende Bereitstellungsform geben wird. Davon profitieren sowohl CRM als auch NAV Anwender.

Fabian: „Vielen Dank für Eure Zeit.“

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