Wie Sie mit einem Maturity Model Governance-Lücken erkennen und schließen
Die Einführung der Microsoft Power Platform verläuft in vielen Unternehmen nach einem ähnlichen Muster: Die ersten Fachbereiche erkennen das Potenzial von Low-Code-Anwendungen und beginnen, eigenständig Lösungen zu entwickeln. Mit Tools wie Microsoft Power Apps oder Microsoft Power Automate digitalisieren sie Prozesse schnell und effizient.
Was zunächst als isolierte Initiative startet, entwickelt sich jedoch häufig rasch zu einer umfangreichen Plattformlandschaft. Neue Environments entstehen, immer mehr Citizen Developer bringen sich ein und die Anzahl an Anwendungen sowie automatisierten Prozessen wächst kontinuierlich.
Spätestens an diesem Punkt stehen viele Organisationen vor einer zentralen Herausforderung: Wie weit ist unsere Power Platform Governance eigentlich entwickelt – und wo sollten wir als nächstes ansetzen?
Genau hier setzt ein Governance Maturity Model an.
Darum ist ein Maturity Model für die Power Platform sinnvoll
Viele Unternehmen haben bereits erste Governance-Maßnahmen rund um die Microsoft Power Platform implementiert. Dazu zählen beispielsweise:
- grundlegende Sicherheitsrichtlinien
- definierte Environment-Strategien
- erste Standards für die App-Entwicklung
- eine zentrale Administration der Plattform
Trotz dieser Fortschritte fehlt häufig die notwendige Transparenz. Organisationen stehen vor zentralen Fragen wie:
- Welche Governance-Bereiche sind bereits gut aufgestellt?
- Wo bestehen noch Risiken oder Lücken?
- Welche Maßnahmen sollten priorisiert werden?
Genau hier setzt ein Maturity Model an: Es ermöglicht eine strukturierte Bewertung der relevanten Governance-Disziplinen innerhalb der Microsoft Power Platform. Durch klar definierte Reifestufen wird sichtbar, wie weit eine Organisation in ihrer Governance-Entwicklung fortgeschritten ist – und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Die fünf Reifestufen der Power Platform Governance
Unser Governance Maturity Model bewertet den Reifegrad der Microsoft Power Platform auf einer Skala von Level 100 bis Level 500. Die einzelnen Stufen bauen aufeinander auf und zeigen, wie sich Governance von ersten Ansätzen hin zu einer vollständig integrierten und optimierten Plattform entwickelt.
Level 100: Initial
In der Anfangsphase befindet sich die Microsoft Power Platform meist noch in einer Experimentier- oder Pilotphase.
Typische Merkmale:
- Einzelne Teams entwickeln erste Apps
- Governance-Strukturen sind kaum vorhanden
- Verantwortlichkeiten sind nicht klar definiert
- Environments entstehen häufig unkoordiniert
Die Plattform zeigt bereits ihr großes Potenzial – gleichzeitig besteht jedoch das Risiko eines „Wilden Westens“ in der Anwendungsentwicklung.
Level 200: Reproduzierbar
In dieser Phase entstehen erste grundlegende Governance-Strukturen.
Beispiele hierfür sind:
- Erste Richtlinien zur Nutzung der Plattform
- Grundlegende Sicherheits- und Compliance-Vorgaben
- Zentrale Administration von Environments
- Schulungen und erste Guidelines für Maker
Die Organisation beginnt, Governance bewusst zu steuern – allerdings häufig noch projektbezogen oder situativ.
Level 300: Definiert
Auf dieser Stufe werden Governance-Prozesse strukturiert definiert und dokumentiert.
Typische Merkmale:
- Klare Environment-Strategien
- Definierte Standards für App- und Flow-Entwicklung
- Strukturierte Application-Lifecycle-Prozesse
- Dokumentierte Sicherheitsrichtlinien
Die Microsoft Power Platform wird zunehmend als strategische Plattform innerhalb der IT-Landschaft verstanden.
Level 400: Fähig
In dieser Phase ist Governance nicht mehr nur definiert, sondern wird aktiv gelebt und kontinuierlich weiterentwickelt.
Kennzeichnend sind unter anderem:
- Ein etabliertes Center of Excellence
- Systematisches Monitoring der Plattformnutzung
- Strukturierte Steuerung von Citizen Development
- Klare Governance-Prozesse für neue Lösungen
Die Power Platform entwickelt sich hier zu einer skalierbaren Unternehmensplattform.
Level 500: Effizient
Auf der höchsten Reifestufe ist die Microsoft Power Platform vollständig in die Organisation integriert.
Typische Eigenschaften:
- Governance-Prozesse sind weitgehend automatisiert
- Plattformnutzung wird kontinuierlich analysiert und optimiert
- Eine aktive Maker-Community fördert Innovation
- Low-Code ist fest in der Digitalstrategie verankert
Die Plattform liefert nun einen messbaren Beitrag zur Effizienzsteigerung und zur nachhaltigen Digitalisierung von Geschäftsprozessen.
Die wichtigsten Governance-Disziplinen im Maturity Model
Um den Reifegrad der Microsoft Power Platform realistisch und ganzheitlich bewerten zu können, werden die relevanten Governance-Bereiche gezielt einzeln betrachtet. Nur so lässt sich erkennen, in welchen Disziplinen bereits ein hoher Reifegrad erreicht wurde und wo noch Optimierungspotenzial besteht.
Zu den zentralen Governance-Disziplinen gehören unter anderem:
Vision & Strategy
Definition der strategischen Zielsetzung für den Einsatz der Microsoft Power Platform sowie die Festlegung klarer Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb der Organisation.
Architecture & Environment Management
Strukturierte Verwaltung von Environments, Daten und der gesamten Plattformarchitektur – als Grundlage für Skalierbarkeit und Ordnung.
Licensing & Capacity Management
Transparente Steuerung und Optimierung von Lizenzen sowie der verfügbaren Plattformkapazitäten, um Kosten und Nutzung in Einklang zu bringen.
Application Lifecycle Management
Standardisierte Prozesse für Entwicklung, Testing, Deployment und Wartung von Anwendungen und Automatisierungen.
Security & Compliance
Sicherstellung von Datenschutz, Zugriffskontrollen und der Einhaltung regulatorischer Anforderungen.
Monitoring und Reporting
Schaffung von Transparenz über Nutzung, Performance und Verbreitung der Plattform durch strukturierte Auswertungen und Kennzahlen.
Learning & Community
Gezieltes Enablement von Citizen Developern durch Schulungen, Best Practices sowie den Aufbau aktiver Community-Strukturen.
Die strukturierte Bewertung dieser Bereiche ermöglicht ein umfassendes Gesamtbild des Governance-Reifegrads und bildet die Grundlage für eine gezielte Weiterentwicklung der Plattform.

Typische Ergebnisse eines Governance Assessments
Unsere Projekterfahrung zeigt, dass Organisationen den Reifegrad ihrer Microsoft Power Platform selten gleichmäßig über alle Governance-Disziplinen hinweg entwickeln. Während einzelne Bereiche bereits sehr ausgereift sind, bestehen in anderen noch deutliche Lücken.
Typische Beispiele aus der Praxis sind:
- Leistungsfähige technische Lösungen – jedoch fehlende Dokumentation
- Klar definierte Sicherheitsanforderungen – aber keine etablierten Lifecycle-Prozesse
- Eine hohe Anzahl an Citizen Developern – jedoch ohne gewachsene Community-Strukturen
- Fehlende Transparenz über Nutzung und Verbreitung der Plattform
Diese Ungleichgewichte erschweren eine nachhaltige und skalierbare Nutzung der Plattform erheblich.
Ein strukturiertes Maturity Assessment – beispielsweise auf Basis eines Power Platform Governance Maturity Model – hilft dabei, genau diese Unterschiede sichtbar zu machen. Es schafft Transparenz über den aktuellen Stand, deckt gezielt Schwachstellen auf und ermöglicht es, konkrete Handlungsfelder systematisch abzuleiten.
Governance ist kein einmaliges Projekt
Ein entscheidender Punkt wird in der Praxis häufig unterschätzt: Governance ist kein einmaliges Projekt, das mit der Einführung von Richtlinien oder Prozessen abgeschlossen ist.
Die Microsoft Power Platform entwickelt sich kontinuierlich weiter – ebenso wie die Anforderungen innerhalb der Organisation. Neue Anwendungsfälle entstehen, weitere Nutzer kommen hinzu und technologische Möglichkeiten verändern sich fortlaufend.
Ein Power Platform Governance Maturity Model dient daher nicht nur der einmaligen Standortbestimmung, sondern vor allem als strategisches Instrument zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Plattform.
Unternehmen, die ihre Governance regelmäßig überprüfen und gezielt weiterentwickeln, profitieren langfristig von:
- stabileren und skalierbaren Plattformstrukturen
- höherer Sicherheit und verbesserter Compliance
- transparenter Nutzung und besserer Steuerbarkeit der Plattform
- schnelleren Innovationszyklen durch klar definierte Rahmenbedingungen
So wird Governance vom reinen Kontrollmechanismus zu einem echten Enabler für nachhaltige Digitalisierung und Innovation.
Governance als Wettbewerbsvorteil statt Bremse
Low-Code ermöglicht es Unternehmen, Anwendungen schneller und effizienter zu entwickeln als je zuvor. Damit dieses Potenzial jedoch langfristig und nachhaltig ausgeschöpft werden kann, ist eine strukturierte Governance unerlässlich.
Ein Power Platform Governance Maturity Model unterstützt Organisationen dabei, den aktuellen Reifegrad ihrer Microsoft Power Platform fundiert zu bewerten, bestehende Governance-Lücken zu identifizieren und eine klare Roadmap für die Weiterentwicklung zu definieren.
So entsteht aus einzelnen Low-Code-Initiativen Schritt für Schritt eine skalierbare, sichere und strategisch gesteuerte Plattform für digitale Innovation.
Sie fühlen sich angesprochen oder sind interessiert? Wir haben die Lösung! Gerne können Sie sich über das Kontaktformular bei uns melden.
