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Kreative Mitarbeiter als Ressource für Innovation und wirtschaftliche Weiterentwicklung

Kreative Ideen entwickeln, neue Geschäftsmodelle und neue Konzepte

Computergesteuerte Maschinen und Roboter übernehmen mehr und mehr Aufgaben, die den Menschen an verschiedenen Stellen überflüssig machen. Automatisierung und künstliche Intelligenz steigern diese Faktoren schon jetzt und entwickeln sich in rasantem Tempo weiter, sodass Firmen wie Arago aus Frankfurt mit künstlicher Intelligenz für Routineaufgaben in Unternehmen das Agieren der Mitarbeiter an den entsprechenden Stellen obsolet werden lassen. Auch Hersteller wie Microsoft und Adobe bieten integrierte KI-Komponenten an, um Prozesse zu vereinfachen und Arbeistschritte zu reduzieren. Künstliche Intelligenz wird nicht mehr nur in den Medien thematisiert – KI wird bereits praktiziert und aktiv vorangetrieben.

Dass ein großer Teil der Berufe, wie sie heute bestehen durch diese Entwicklung wegfallen werden ist mittlerweile mehrfach in Studien prognostiziert worden und ein Jeder stellt sich die Frage: „Wie sieht meine berufliche Zukunft aus?”

Was bleibt für den Menschen, wenn Roboter und intelligente Systeme immer mehr Aufgaben übernehmen? Fragen, die heute von Wissenschaftlern, Unternehmern oder Philosophen unterschiedlich beantwortet werden. Chris Boos, Gründer und CEO des KI-Unternehmens Arago, meint: „Das Neue. Ideen entwickeln, neue Geschäftsmodelle und neue Konzepte.“ Eine Chance und eine Herausforderung für jeden Einzelnen? Heißt das, dass jeder, dessen aktuelle Tätigkeit durch die technische Entwicklung bedroht ist, in Zukunft Ideen haben muss, um am Ende des Monats seine Rechnungen bezahlen zu können? Und wenn die Aussage von Chris Boos stimmt – was bedeutet das für Unternehmen und Organisationen mit Blick auf ihre Mitarbeiter, denen sie Sicherheit und Perspektiven bieten wollen?

Kreativität beschleunigt Innovation

Steve Jobs sagte einmal: „Kreativität ist: Dinge miteinander verbinden. Wenn Sie kreative Menschen fragen, wie sie etwas geschaffen haben, fühlen sie sich ein bisschen schuldig, weil sie gar nicht wirklich etwas getan, sondern nur etwas gesehen haben. Es war einfach offensichtlich für sie. Deswegen waren sie fähig, Erfahrungen zu verbinden und neue Dinge zu kreieren.“ Steve Jobs widmete daher stets seine Aufmerksamkeit kreativen Prozessen. Inspiration fand er nicht nur durch das Nutzen branchenfremder Quellen, sondern auch durch Kalligrafie. Für ihn hatte Kreativität einen zentralen Stellenwert und war eine der wichtigen Komponente für den Erfolg von Apple. Die wirklich kreative Leistung zeigt sich oft gar nicht im materiellen Endprodukt, sondern in der Idee dazu, wie man im Fall von Steve Jobs und Apple sehen kann.

Auch Monika Wiederhold, ehemals Vice President Product Management und Innovation bei Lufthansa Cargo brachte es bei einem Vortrag zum Thema Kreativität als Ressource der Zukunft auf den Punkt. Die digitale Transformation fordert Kreativität, um innovativ und erfolgreich zu bleiben. Dabei geht es im Kern darum, Kreativität als Ressource zu nutzen, um ein Unternehmen zu transformieren. Frei, kreativ und unabhängig Ideen entwickeln, um neue Lösungsansätze für Probleme zu finden. „Kreativität müsse stören und irritieren, das System und Routinen aus dem Gleichgewicht bringen, um neue Schwingungen zu erzeugen. Kreativität beschleunigt Innovation“, so Wiederhold. Heute leitet die studierte Mathematikerin als Executive Vice President Airlines bei Amadeus den Geschäftsbereich Airlines für Mittel- und Osteuropa. Auch sie orientiert sich am kreativen Prozess von Steve Jobs und findet kreative Impulse durch das Malen großformatiger Bilder.  „Mathematik und Kunst haben einiges gemeinsam“, meint sie. „Beide Disziplinen erfordern Kreativität“

Ein Hoch auf die Tagträumer

„Der Tagtraum ist der kognitive Gegenspieler zur Konzentration!“ heißt es im Buch Klick! Das Handwerk der Kreativität von Bas Kast. Menschen, die viel tagträumen, bei diesen wird das Offline-Netzwerk oder auch Default Mode Netzwerk in der Ruhephase besonders stark aktiviert so eine Annahme der Wissenschaft. Man schweift gedanklich ab und schafft im Gehirn Kapazitäten beispielsweise für kreative Gedankengänge. Tagträume können also als Training für die Phantasie und Kreativität angesehen werden. In einem Versuch zum Thema Tagträumen sollten Probanden möglichst viele Nutzungsweisen für einen Ziegelstein finden. Wenn man ihnen zwischendurch eine einfache Aufgabe stellte, die zum Tagträumen anregt, kamen sie auf mehr Lösungen als eine Vergleichsgruppe, die ohne Unterbrechung nachdachte, so der Professor für Psychologie Jonathan Schooler. Die Forschung ist gerade dabei zu ermitteln wann das Abschweifen der Gedanken hilfreich sein kann und wann es vielleicht eher negative Folgen hat. Sicher ist, dass es die Kreativität fördert. Demzufolge ist es durchaus nützlich, wenn Mitarbeitern Zeit zum Tagträumen gegeben wird, beispielsweise durch eine einfache Aufgabe, die fast schon langweilig ist und entsprechend Kapazitäten freigibt.

Der Zufall als kreativer Input

‘As one of the waffles came out, he said, You know, by turning it upside down — where the waffle part would come in contact with the track — I think that might work.’ Mit diesen Worten erklärt Bill Bowerman die Entstehung des Nike Waffle Schuh, dem ersten klassischen Laufschuh. Der Blick auf das Waffeleisen, dass er an einem Sonntagmorgen bediente, gab ihm die Eingebung für die Lösung seines Problems. Zu diesem Zeitpunkt war er als Leichtathletiktrainer auf der Suche nach einer Lösung für einen Laufschuh, mit dem man auf beliebigen Untergründen laufen kann. Der Zufall, der Moment und seine Aufmerksamkeit haben die Basis für das geliefert, was heute als Laufschuh bekannt ist. Innovation und Ideen kommen nicht, wenn man sie erzwingt. Sie entstehen durch Impulse, Wahrnehmung und Verbindungen.

Was wir von Künstlern lernen können

Wer kreativ(er) werden will, sollte sich an Kreativen orientieren und von ihnen lernen. Warum also nicht einen Blick auf die Kunst und ihre Schaffenden werfen. In Ihrem Buch Creative Company gehen Dirk Dobiéy und Thomas Köplin auf den Aspekt ein, wie künstlerisch zu arbeiten Organisationen dabei hilft, über sich hinaus zu wachsen.

Künstler zeigen in ihrem Schaffen eine besondere Haltung, die in anderen Disziplinen schon heute Relevanz hat und in Zukunft noch wichtiger werden wird. Im Zentrum dabei steht Neugier, Leidenschaft, Zuversicht und Resilienz. Künstler experimentieren, verwerfen, beobachten und entwickeln so ihre Werke. Natürlich sind für die Entwicklung von Software oder Produkten, die Umsetzung von Projekten und andere unternehmerische Themen andere fachliche Expertisen relevant – die Fähigkeit zu gestalten ist aber überall gefragt.

Künstler und Kreative wenden andere Denkansätze und Prozesse an, um ein Ziel zu erreichen oder etwas zu erschaffen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sie kein Richtig und kein Falsch kennen. Auch geht es im Kern nicht darum eine Lösung für ein Problem zu finden. Der Künstler will etwas erschaffen. Etwas, das seinen eigenen Vorstellungen entspricht, aus seiner Fantasie hervorgeht und eine Aussage vermittelt. Dabei muss man einen Aspekt hervorheben, der für das künstlerische Schaffen ausschlaggebend ist: Freiheit! Jene Freiheit ermöglicht ihm eine Herangehensweise, bei der Störfaktoren wie Stress, Manipulation, Eingrenzung oder feste Strukturen vermieden werden können. Spontanität, Flexibilität, Querdenken und Kreativität sind Einflussfaktoren für den Künstler, die seine Arbeit ausmachen. So entsteht heute die Erkenntnis, dass Kunst und ihre Akteure durch ihre Herangehens- und Sichtweise der Wirtschaft wichtige neue Impulse liefern können.

Ganz gleich ob Maler, Komponist oder Romanautor; alle entwickeln sie Ideen und verwerfen sie wieder. Sie wechseln die Perspektiven, hinterfragen und überdenken Ansätze. Alle Prozesse können dabei Wochen, Monate oder gar Jahre dauern. Sie folgen einem Prinzip, dass auch im unternehmerischen Kontext sinnvoll sein kann: Unplanbarkeit und Ungewissheit zulassen.

Das Düsseldorfer Beratungs- und Investmenthaus Droege nutzt schon lange einen Ansatz, bei dem es darum geht, durch Kunst die Umsetzungsqualität der Beratungsprojekte zu steigern und besser verständlich zu machen. „Kunst bietet für uns eine Chance, dass man mehr sieht und neue Perspektiven in den Blick bekommt“, so Dr. Hedda im Brahm-Droege. Durch die Betrachtung und den Umgang mit Werken von Gerhard Richter oder Neo Rauch soll die Wahrnehmung verändert werden, damit die Mitarbeiter beim Denken und Beraten kreativ bleiben. „Das Wie am Was“ bezeichnet die operative Aufgabe und die Umsetzungspraxis. Wenn ein Mitarbeiter durch seine Wahrnehmung nachvollziehen könne, wie ein Künstler sein Werk plant, seine Idee entwickelt und spezifische Regeln findet und anwendet, dann könne er diese Kenntnisse auch in die eigene Arbeit einbinden, so die Idee.

Wie kann ein Unternehmen die Kreativität seiner Mitarbeiter fördern?

Antworten hierzu finden sich mittlerweile in unzähliger Form und entsprechend gefördert durch Hersteller, Coaches und Workshops. Die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Bereitstellung von u.a. digitalen Werkzeugen und Trainings alleine reichen aber nicht aus, um Mitarbeiter kreativer zu machen. Um Kommunikation, Zusammenarbeit und das Interesse an Kreativität zu fördern spielen Räumlichkeiten bestimmt eine zentrale Rolle: Samsung hat den Neubau einer Niederlassung so entwickelt, dass sie die Begegnung zwischen Menschen herbeiführen, um auf diese Weise neue Ideen zu entwickeln. Diesen Schritt kann und will aber nicht jedes Unternehmen durchführen. Zumal eine Kreativitätssteigerung damit nicht gesichert ist.

In einem Vortrag von Microsoft zusammen mit dem Büromöbelhersteller Steelcase kam die berechtige Aussage eines Geschäftsführers: „Wenn ich meinen Mitarbeitern Ausgaben in Höhe eines sechs- oder gar siebenstelligen Bereich für Möbel und Hardware mit dem Argument Kreativitätsförderung verargumentiere, stoße ich mit Sicherheit auf Argumentationsprobleme.“ Und eine Kreativitätsforscherin verwies ebenso auf den Fakt, dass Räume, Hardware und Möbel Mitarbeiter nicht kreativer machen. „Weil die Gestaltung des Arbeitsplatzes unmittelbar sicht- und erlebbar ist, verleitet sie dazu, das Umfeld auf das Sichtbare, auf das Physische zu reduzieren“, so Dobiéy und Köplin in ihrem Buch Creative Company. Denn die Umgebung ist nur einer der vielen Faktoren, die Kreativität beeinflussen. Menschen sind unterschiedlich: Der Schriftsteller Jonathan Franzen mietet sich zum Schreiben ein winziges Apartment, minimalistisch ausgestattet und schreibt auf einem alten Laptop seine Romane. Die Reduzierung schließt Störungen aus und hilft ihm kreativ zu sein.

Jennifer Deal, Forscherin am US-Amerikanischen Center for Creative Leadership wird von Dobiéy und Köblin in ihrem Buch zitiert: „Der Trend, die Kreativität in Organisationen zu steigern, wird sehr wahrscheinlich viel größere Auswirkungen auf diejenigen Organisationen haben, die auch in der Lage sind, mit mehr Kreativität umzugehen, weil es darum geht, die Haltung gegenüber kreativen Ideen zu verändern, anstatt nur einen weiteren Stapel von Ideen zu entwickeln, die auf Post-ist verkümmern.“ Die Forderung nach mehr Kreativität werde viel zu oft auf den Einsatz von Tools, Methoden oder Raumgestaltung reduziert, so Deal. Frank Piller, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule meint dazu: „Kultur kann man nicht über Nacht ändern, und auch die Ausstattung des Unternehmens mit bunten Innovationsräumen oder Kreativecken hilft nicht weiter.“

Kreativität zulassen heißt Unsicherheit zulassen und Raum geben

Unternehmen und Organisationen sind auf Effizienz ausgerichtet. Zeit zum Experimentieren und Ausprobieren wird ungerne gewährt, weil die Gefahr zu groß ist, dass diese ins Leere läuft. So sieht es auch der renommierte Managementberater Reinhard K. Sprenger. Kreativität wurde und wird auch noch heute oft ausgelagert an Agenturen, Organisationen oder Start-ups. Die Zukunft wird allerdings an der Ideenfront entschieden, sodass Unternehmen hier selbst aktiv werden müssen. „Wer morgen am Markt bestehen will, muss auf das kreative Potenzial seiner Mitarbeiter setzen. Nur sie können neuartige Kundenbedürfnisse erspüren und Innovationen hervorbringen.“

Wenn Unternehmen kreative Mitarbeiter haben wollen, müssen sie diese nicht kreativ machen, sondern Kreativität zulassen und fördern. Die Atmosphäre muss geschaffen werden und damit ist nicht die räumliche Situation gemeint, denn der schönste Raum nützt nichts, wenn die organisatorischen Strukturen festgefahren und unflexibel sind.

Auch Rechtfertigungsdruck, der in den meisten Unternehmen aufgebaut wird, führt immer mehr dazu, dass Menschen das tun, was sich rechtfertigen lässt. Und nicht das, was scheitern könnte. Kreativität wird so direkt erstickt und nichts ist in digitalen Zeiten jedoch so riskant wie das Vermeiden von riskanten Ideen.

Fazit

Künstlicher Intelligenz und Machine Learning sind schon jetzt omnipresent; selbst in Kreativprozessen hat KI schon erste Erfolge zu verbuchen. KI kann schreiben, kann komponieren und Grafiken erstellen auch, wenn sich über die Ergebnisse streiten lässt. Die Entwicklung von KI verläuft exponentiell und die Fortschritte sind beeindruckend. Aber wie gehen wir damit um? Vorurteile, Ängste und Unsicherheit in Gesellschaft, Unternehmens oder Organisationen; aber eben auch Faszination und Begeisterung für die Möglichkeiten.

Kreativleistung in Form von Ideen und Problemlösungen bieten hier eine Chance für den Mitarbeiter und folglich für das Unternehmen. Kollaborationsplattformen und der moderne Arbeitsplatz in Form von orts- und zeitunabhängigen Arbeiten können dabei ebenso hilfreich sein wie Künstliche Intelligenz. Sie erleichtern Arbeitsschritte, reduzieren Aufwände und bieten Unabhängigkeit, Informations- und Kommunikationsvielfalt. Es gilt, das Potential wahrzunehmen, zu nutzen und mehr daraus zu machen. Dies gilt sowohl für den einzelnen Mitarbeiter aber auch für das Unternehmen bzw. Organisationen an sich. Die oben zitierte Aussage „Wenn Unternehmen kreative Mitarbeiter haben wollen, müssen sie diese nicht kreativ machen, sondern Kreativität zulassen und fördern“ sollte hier als Basis für die nächsten Schritte dienen.

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